Eröffnungsansprache

Liebe Gäste

Seid alle herzlich willkommen zur Eröffnung unserer Veranstaltungsreihe «Allen Gewalten zum Trotz – Das Leben der Sophie Scholl».

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Eröffnung vom 13. Oktober 2013 im Kirchgemeindehaus Johannes

Dass wir unser Theater dieses Jahr Sophie Scholl, ihrem Bruder Hans, Willi Graf, Alexander Schmorell, Fritz und Elisabeth Hartnagel widmen, das hat eine lange Vorgeschichte: Vor sechs Jahren war eine Gruppe von uns in einem Jugendlager in Ulm und wir haben uns ein erstes Mal ausführlich mit dem Leben der Sophie und ihren Freunden beschäftigt. Zwei Jahre später fuhren wir dann nach München, wiederum etwa 30 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, und besuchten den Lichthof der Ludwig Maximilians Universität, wo die Geschwister Scholl ihr sechstes Flugblatt verteilt hatten und dann am 17. Februar 1943 verhaftet worden sind – und wir besuchten das Gefängnis München-Stadelheim und die Gräber von Sophie, Hans, Christoph und Alexander auf dem Perlacher Forst.

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Jürg Liechti-Möri, Pfarrer und Co-Leiter des Theaterensemble Johannes

Und nun sind wir seit fast zwei Jahren daran, uns auf unser neues Theater vorzubereiten. Diese sehr intensive Auseinandersetzung hat sich gelohnt: Die jungen Menschen der Weissen Rose, ihre Freundschaften, ihre Liebe zur Natur, ihre Freude an Musik, Literatur und bildender Kunst, ihr Mut, sich für Gerechtigkeit einzusetzen und zu Unrecht nicht zu schweigen, und ihr tiefes Vertrauen, in allem, im Leben und im Sterben, in Gottes Hand geborgen zu sein, das alles hat uns immer wieder ermutigt und es hat uns herausgefordert zum eigenen Uns-Freuen am Leben, zum Bewahren von Freundschaften untereinander, aber auch zum eigenen Widerstehen gegen die Ungerechtigkeiten in dieser Welt, und es hat uns nicht zuletzt auch gestärkt im eigenen Glauben.

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Pfarrerin Regula Riniker vom Theaterensemble Johannes im Gespräch mit Thomas Hartnagel, Neffe von Sophie Scholl

Wenn wir Sie jetzt in den kommenden Wochen einladen, sich mit dem Leben der Sophie Scholl und ihren Freunden auseinanderzusetzen, dann geht es nicht nur darum, die Erinnerung an sie und ihre Freunde wach zu halten, das sicher auch, denn diese wunderbaren Menschen und die andern Opfer dieser bestialischen Zeit dürfen nicht vergessen gehen, uns geht es aber über das Erinnern hinaus vor allem auch um das Weitertragen und um das Weiterleben von dem, was jene jungen Menschen gelebt haben:

Regula Küffer (Flöte) und Wieslaw Pipczynski (Akkordeon und Theremin)

Regula Küffer (Flöte) und Wieslaw Pipczynski (Akkordeon und Theremin)

Es geht uns um ihren Glauben, um ihre Lebensfreude, um ihre Ermutigung zu gelebter Freundschaft – und es geht uns um ihren Mut, um ihren Mut, sich gegen Ungerechtigkeit und Unfrieden zu wehren. Dieser Mut ist heute in dieser Welt, in der so viele Menschen unter Armut, Krieg und Hunger leiden, in der das Klima aus den Fugen geraten ist, genau so gefragt, wie damals vor 70 Jahren.

Wir wünsche Ihnen allen eine anregungsreiche und spannende Auseinandersetzung mit Sophie Scholl und der Widerstandsgruppe der Weissen Rose.

Eröffnungsansprache von Jürg Liechti-Möri an der Vernissage und Eröffnung vom Sonntag, 13. Oktober 2013.