In weiter Ferne oder Wir drei in Nigeria

Da sassen wir also im Kirchgemeindehaus Johannes, das für uns als langjährige Mitglieder des Theaterensemble Johannes schon seit jeher ein zweites Zuhause ist. Jetzt ging es für einmal aber nicht um Theater, sondern um Nigeria.

Und so verloren unser Tisch inmitten des riesigen Saals stand, so orientierungslos fühlten wir uns im Frühling auch. Ein Austausch mit einer nigerianischen Kirchgemeinde, eine Ausstellung im Rahmen unseres nächsten Theaterprojekts, eine Reise für drei von uns: Aus der finanziellen Unterstützung, die wir mit der letztjährigen Theaterkollekte geleistet hatten, sollte nun eine Partnerschaft mit der Ekklesiyar Yan’uwa a Nigeria (EYN) werden. Die evangelische Kirche setzt sich in Nigeria stark für den interreligiösen Dialog ein. Sie hat zum Ziel, dem Misstrauen zwischen Christen und Muslimen entgegenzuwirken. Ein Misstrauen, das sich in den vergangenen Jahren durch den Terror der islamistischen Sekte Boko Haram zugespitzt hat und wie ein giftiger Stachel im Herzen einer Nation steckt.

Stereotype Vorstellungen
Unzählige Stunden und Gespräche später, sprich Mitte September, ist nun schon einiges klarer: Drei von uns, Jonathan Liechti (Fotograf), Noemi Scheurer (Designstudentin) und Valentina Kobi (Journalistin), werden vom 4. – 22. November gemeinsam mit dem landeskundigen Ulrich Bachmann von Mission 21 in Abuja weilen. Wie auch in anderen Landesteilen ist die EYN in Abuja präsent und die sogenannten «Youth Fellowships», sind wichtiger Bestandteil des Alltags von Jugendlichen – das jedenfalls wurde uns erzählt. Es ist aber auch gut möglich, dass es sich dabei bloss um ein weiteres afrikanisches Klischee handelt. Während unserer Diskussionen ringen wir immer wieder mit stereotypen Vorstellungen. Es wird uns wohl kaum möglich sein, dieses Denken ganz auszuschalten. Den jungen Erwachsenen, denen wir in Abuja begegnen werden, ergeht es wohl nicht anders. Damit wäre also schon ein erstes Thema gefunden.

Fragen und noch mehr Fragen
Welchen Stellenwert hat der Glaube im Alltag von jungen Menschen in Nigeria? Wie gelingt es der EYN im Konflikt mit Boko Haram eine friedensfördernde Rolle zu spielen? Und: Was bedeutet die weltweite Verflechtung im Blick auf unsere Mitverantwortung beispielsweise für Menschen, die unter dem Terror von Boko Haram leiden? Wir wälzen Romane und Sachbücher, studieren Bildbände von afrikanischen Fotografen, wir tauschen uns mit Projektbeteiligten aus Nigeria aus und sammeln Zeitungsartikel. Und doch sind wir nicht sicher, dass wir in Abuja Antworten auf all unsere Fragen finden werden. Wir werden in Abuja wohl nur wenige Antworten, und noch mehr Fragen finden. Dennoch: Das Land Nigeria schon ein ziemliches Stück weniger weit entfernt. Das Gefühl der Verlorenheit zu Zuversicht geworden.

Informationen und die Möglichkeit zur Beteiligung am Austausch mit der EYN bietet sich am 23. Oktober 2016 nach dem Gottesdienst in der Johanneskirche Bern im Rahmen des Kirchencafés. Ein erster Reisebericht gibt es am 19. Februar 2017 nach dem Gottesdienst im Rahmen des Kirchencafés.